Die alte Uhr
"Geimpft" durch meinen Vater, der als Hobby antike Wanduhren restaurierte und sammelte, hatte auch ich in der Schweiz eine kleine Sammlung "alter" Uhren. Übrig geblieben, bzw. mitgekommen, ist bei meinem Wegzug nach Thailand, nur eine einzige, eine sog. "Coq". Es war nicht die Wertvollste, nicht die Schönste, aber ganz sicher eine, die's in Thailand nicht gibt.
Diese Uhren werden so bezeichnet, weil sie über dem Zifferblatt einen kunstvollen Messing-Guss zeigen, der von einem Hahn (französisch "coq") überragt wird. Der Hahn ist das französische Nationalsymbol.
Das Uhrwerk ist ein frühes "Comtoise-Werk" aus Eisen und Messing, aus der Region Morbier im französischen Jura. Es stammt - in meinem Fall - aus der Zeit Ludwig XV, so ca. aus den Jahren 1755 - 1774 und wurde in den 1990-er Jahren von meinem Vater restauriert. Das Alter lässt sich bei diesen Uhren einerseits durch äussere Merkmale, aber auch durch konstruktive Details recht genau bestimmen.
Das an einem Faden aufgehängte Pendel hemmt eine Spindel mit einem Kronenrad (2. Bild), das durch Gewichte angetrieben wird.
Solche Uhren werden auch als "Bauern-Uhren" oder Burgunder-Uhren bezeichnet. Sie wurden in Heim- und Handarbeit durch den kalten Winter auf Bauernhöfen, vorwiegend eben im Burgund hergestellt, waren in ihrer Zeit sehr modern und wurden weitherum von Wander-Händlern verkauft.
Damit die nicht so schwer daran zu schleppen hatten, wurden die notwendigen, gusseisernen Aufzugsgewichte (je 3.5-4 kg!) beim Verkauf von Schmieden vor Ort gegossen und die Pendel aus Drahtgliedern zusammengesetzt (sog. Transport-Pendel).
Sie haben eine Bronze-Glocke, an die ein Schlagwerk mit 2 Hämmern die ganze und die halbe Stunde schlagen. Wobei der Stundenschlag - damit man nachts, wenn's dunkel ist, besser weiss wieviel sie geschlagen hat - repetiert wird.
Diese Uhren kamen gegen Ende des vorletzten Jahrhunderts (~1890 ...), da es zwischenzeitlich immer "schönere" und prunkvollere Wanduhren, sogar in grossen Holzgehäusen gab, nach und nach aus der Mode.
So lag auch "meine", langsam vor sich hinrostend, wohl Jahrzehnte auf irgend einem Dachboden, einige Teile gingen dabei verloren oder wurden anderweitig verwendet, bis sie auf einem Flohmarkt (Le Landeron) auftauchte, wo mein Vater das rostige "Etwas" erwarb.
Er hat sie fachgerecht restauriert und seitdem läuft sie wieder täglich und schlägt die Stunden.
Erstaunlicherweise - die Achsen der Zahnräder haben keine speziellen (Messing) Lager, sondern drehen und reiben noch Eisen auf Eisen - läuft die Uhr über den Tag gesehen sehr exakt. Man kann das nur anhand des Stundenschlags feststellen, da sie ja keinen Sekundenzeiger hat. Allerdings ist auch das "Schlitzrad", das den Schlag auslöst, Handarbeit und so löst die eine Stunde etwas früher, die andere ein paar Sekunden später aus. Wiederhohlen tut sich der "Schlitz" erst nach 12 Stunden wieder.
Pro Tag (24 Std) erreicht die ~250 Jahre alte Uhr immerhin eine Genauigkeit von ein paar Sekunden.
Da sie eh etwa alle 6 Tage aufgezogen werden muss, kann man sie dann auch gleich - wenn nötig - wieder etwas nachjustieren.
Auf Grund dieses Berichts, habe ich wieder einmal ein Zeit- bzw. Schlagprotokoll gemacht. Dazu wird möglichst jede Stunde der exakte Zeitpunkt des Schlagens notiert:
Schlagprotokoll 25./26. August 2026:
Uhrzeit, Differenz pro Std.
16:59:40
17:59:33, -7
...
19:59:30, -3 (2h) .....
...
... Nacht
...
07:59:20, -10 (12h) .....
08:59:27, +7
09:59:18, -9
10:59:25, +7
11:59:16, -9
...
...
14:59:22, +6 (3h)
15:59:15, -7
16:59:21, +6
Differenz total -19 Sek in 24h (2x ~10 Sek) -> etwas zu schnell!
Es scheint, dass wieder einmal eine kleine Korrektur der Pendellänge angesagt ist, die letzte ist sicher 3-4 Jahre her. Staub und eingetrocknete Schmiermittel haben halt Einfluss...
Schlagprotokoll 26./27. August 2026 :
Uhrzeit, Differenz pro Std.
17:59:23
18:59:30, +7 .....
...
... Nacht
...
06:59:31, +1 (12h) ..... das fängt ja gar nicht schlecht an!
07:59:23, -8
08:59:23, +8
...
10:59:32, +1 (2h)
11:59:24, -8
12:59:32, +8
13:59:25, -7
14:59:33, +8
15:59:25, -8
16:59:33, +8
17:59:25, -8
Differenz total +2 Sek in 24h (2x 1 Sek) -> damit kann ich leben!
P.S. am 28.8. schlug die Uhr
07:59:25, +2 Sek gegenüber 24h zuvor!


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